Tach auch.
      Wir sind Maria & Linda.

      Geboren und aufgewachsen sind wir im wilden Osten Deutschlands – im Harz. Wir lernten uns in der neunten Klasse kennen. Schon damals fotografierten wir zusammen – waren Freigeister, hörten andere Musik als alle um uns herum, hielten uns für außerordentlich kreativ und fanden das Schulsystem irgendwie doof. Irgendwann sollten wir uns entscheiden, was aus uns werden soll. Nach unzähligen Bewerbungsgesprächen und Praktikas bei Fotografen und Mediengestaltern entschlossen wir uns kurz vor dem Abitur dazu, dass wir reich werden wollen. Also bewarben wir uns für Jura in Leipzig. Linda hatte mal in einer “verlässlichen” Quelle gelesen, dass Patentanwälte ordentlich Schotter verdienen. Da Linda unfassbar ambivalent ist, entschied sie sich kurz vor Studienantritt nochmal um und zog nach Hildesheim, um dort Internationale Kommunikation zu studieren. Maria zog nach Leipzig und umgab sich unfreiwillig mit Möchtegern-Juristen a’ la Jo Gerner. Nach einem Jahr Studienzeit, einer Menge Partys und vielen verpassten Vorlesungen beschlossen wir zeitgleich das Studium zu killen und bewarben uns für Ausbildungen in Hannover. Maria zog nach Hannover und wir begonnen unsere Ausbildungen. Maria als Personaldienstleistungskauffrau, Linda als Marketingkauffrau. Diese 2,5 Jahre waren für uns beide eher semi-schön. Wir haben zumindest eins gelernt: “Was uns nicht umbringt, macht uns stärker”. Diese Zeit war für uns wirklich mehr als unangenehm und wir sehnten uns so sehr nach Freiheit, nach einem Sinn und vor allem nach Glück. Wir wollten nicht akzeptieren, dass der Rest unseres Leben so aussehen sollte, also schrieben wir erneut eine Bewerbung für ein Studium und bekamen eine Zusage für Sozial- und Organisationspädagogik in Hildesheim.

      Die nächsten drei Jahre waren für uns revolutionär. Nach und nach verstanden wir, worum es im Leben geht – worum es UNS geht. Wir lernten viele Menschen kennen, tranken eine Menge Vino, reflektierten so viele Dinge und fingen an, unsere Träume zu verwirklichen. So gaben wir irgendwann selbst mehrere Seminare zum Thema “Selbstfindung” und bemerkten, wie viel Spaß es uns macht andere Menschen zu motivieren und allgemein mit Menschen zu arbeiten. Wir fotografierten wieder und fingen an die Welt zu bereisen. Die Idee der Selbstständigkeit schwebte dabei immer in unseren Köpfen. Schon in unserer Jugend gründeten wir zahlreiche “Fantasiefirmen” und vertickten lustige, unnütze Dinge – es hat uns ja nie wer ernst genommen, haben wir ja selbst nicht. Wir fotografierten ohne Ende, mehr und mehr Paare und gründeten so im letzten Jahr unsere GbR. Unser kleines, großes, gemeinsames Ding.

      In den ganzen Jahren haben uns immer unsere beiden Loverboys begleitet die wir hier ruhig mal namentlich erwähnen können, Nico & Nick. Die Beiden sind jeweils unser Ruhepol, unser Anker und das seit mittlerweile 10 Jahren. Ohne die Beiden, wären wir bestimmt nicht hier, denn sie haben uns immer unterstützt, unsere Heulkrämpfe ertragen und unsere Visionen nie als “Schnapsideen” abgetan, nie.

      Seitdem wir als Hochzeitsfotografinnen arbeiten, hat sich vieles verändert. Wir haben einen verrückten Alltag, irgendwie nie Feierabend und sind viel unterwegs. Wir lieben das Gefühl der Freiheit und das Reisen. Jedoch freuen wir uns auch immer wieder, wenn wir nach Hause kommen. Couch, Kerzen, Film – bis das Fernweh wieder kitzelt und das passiert so alle 2 Wochen. Wenn das wieder soweit ist, bauen wir das Auto zu einem Wohnmobil um und fahren los. Im Auto schlafen, Nudeln vom Gaskocher, unberührte Natur erkunden. Finden wir cool und doch scheißen wir uns manchmal nachts im Auto ein, weil wir Angst vor Verbrechern oder Trollen haben – je nachdem, wo wir gerade sind. Maria liebt die Wärme, Linda die Kälte. Maria ist ordentlich und organisiert. Linda kann nicht mal eine gerade Linie auf Milimeterpapier mit Lineal zeichnen. In unserem Geschäft sind wir aber beide absolute Perfektionisten. Maria fährt Fahrrad. Linda geht wandern. Wir fühlen uns beide immer wie Elefanten im Porzellanladen. Während unserer Reisen und auch im Alltag neigen wir zu unkontrollierbaren Gefühlsausbrüchen. In Island sind wir durch so heftige Landschaften gefahren, dass wir geheult haben. Manchmal freuen wir uns so sehr, dass wir schreien und manchmal sind wir so glücklich, dass wir unseren Gefühlszustand nur noch mit Zitaten ausdrücken können.  Wir glauben ganz fest an Karma und stehen auf die buddhistische Lebensphilosophie. “Konservatismus” finden wir komisch und das nicht nur, weil das Wort echt seltsam ist. Fast all unsere Handlungen sind gefühlsgesteuert und 90% unserer Tätigkeiten bestehen aus “Scheiß drauf” – Impulsen. Wir neigen dazu, Situationen zu dramatisieren. Für Pizza würden wir töten. Auf Reisen wollen wir immer sparsam sein, enden aber jedes Mal in überteuerten Restaurants und denken uns: “Pff, was soll der Geiz?”. Wir stehen sehr ungern im Mittelpunkt und doch enden wir immer wieder genau dort und schämen uns in Grund und Boden. Wir streiten uns nie, zicken manchmal nur ein bisschen rum und selbst solche Situationen lösen wir einfach auf, indem wir sächsisch miteinander reden. Manchmal sind wir unfassbar wütend und kritisieren das “System” und oft sind wir dankbar, weil wir die Möglichkeit haben, das zu tun, was wir wollen.  Ab und zu macht es uns traurig, dass manche Menschen nicht bereit sind, ihren Horizont zu erweitern. Manchmal sind wir traurig, weil wir akzeptieren müssen, dass wir die Welt nicht retten können.

       

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